Ich schmökere also durch das Netz und lande bei www.hauptstadtmutti.de, einer von mir sehr geschätzten Frau-Mutter-Kind-Mode-Blog-Website. Und lese ganz unten im Beitrag zu „10 Tipps für ein Wochenende in Berlin“ als Frühstückstipp an alle (!): „Einen Prosecco am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen“.

hauptstadtmutti prosecco

(c) Hauptstadtmutti.de

Genau. Lasst uns doch einfach alle zudröhnen und so den Problemen aus dem Weg gehen. Am besten gleich nach dem Aufstehen. Dann kann der sorgenfreie Tag beginnen!

Und weil das ja auch die Omas so gut verstehen, wollen wir Töchter und Söhne diese Tradition nach bestem Wissen fortführen und diese natürlich auch an unsere Kinder und Kindeskinder weitergeben.

Sorry, liebe Hauptstadtmuttis – dieser Satz ist Bullshit.

Klar kennen wir alle die Redewendung „HIERPASSTJEDERBEGRIFFREIN am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen“. Und, ja, wir wissen, dass man sich die Birne weglöten kann, wenn es einem schlecht geht, und dass einem das scheinbar wieder auf die Beine hilft, auch wenn es nur für einen kurzen Moment ist. Benebelt schwebt man halt leichter durch den Tag, wenn man ihn nüchtern nicht ertragen möchte.

Ist nach Ernüchterung der Kummer weg? Bestimmt nicht. Kann eine solche Denkweise, die in dieser so vermeintlich lustigen „Weisheit“ gipfelt, zu noch mehr Problemen führen? Aber ja.

Sprüche klopfen Psyche

Genau solche Äußerungen demonstrieren einmal mehr, wie sehr Alkohol als Problemlöser in unserer Gesellschaft akzeptiert und wie tief diese Denke in unserer eigenen Persönlichkeit verankert ist. Dagegen setze ich jetzt mal eine Zahl: 1,3 Millionen Alkohol-Abhängige in Deutschland.

Ich weiß, ich weiß, ihr wolltet nur witzig sein. Kumpelig eben. Einen netten Spruch in den locker gewebten Artikel einfließen lassen. Etwas, das alle anspricht. Etwas, mit dem sich der Leser identifizieren kann, bei dem sogar auch deren Mütter wissend schmunzeln müssen.

Schlimm, dass sie es dann auch tun.

Damit das klar ist: Ich verurteile hier keinen. Dieser Satz tut keinem weh. Soll jeder machen, wie er es für richtig hält. Aber ich bin für einen bewussten Umgang mit dem Thema Alkohol in der Öffentlichkeit. Insbesondere, wenn sich Medien an Mütter richten. Liebe Blogger: Lest doch bitte noch einmal mit klarem Blick, was ihr da schreibt, bevor ihr auf „Veröffentlichen“ klickt und wählt eure Worte weise.

 

2 Responses to Über den Umgang mit Alkohol in den Medien

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